Update: Freaky Kohlmeisen

You don’t speak German? Read the english edition here!

Es ist nun vier Monate her, dass die „Freaky“ Kohlmeisen in Deutschland bemerkt wurden. Zeit für ein Update über den aktuellen Stand!
Seit der ersten Meldung in ornitho.de vom 29.09.12 wurden in Deutschland bei 1361 Beobachtungen 9759 Ind. mit Invasionsrufen gemeldet. Die Vögel sind wie erwartet überall aufgetreten.

Karte_D

Phänologisches Auftreten der Invasions-Kohlmeisen in Deutschland vom 29.09.2012 – 20.02.2013. Quelle: http://www.ornitho.de / Occurrence of the Strange Great Tits in Germany from September 2012 to February 2013.

Auch wenn es keine wissenschaftliche Datensammlung ist, ist trotzdem interessant, dass bei der „Stunde der Wintervögel“ dieses Jahr 27% mehr Kohlmeisen gezählt wurden als letztes Jahr. Sicherlich mit ein Verdienst der Invasions-Kohlmeisen.

Auch auf ornitho.ch wurden bei 91 Beobachtungen 277 Invasionskohlmeisen gemeldet. Dort gab es allerdings keinen Aufruf. Zumindest am Schweizer Bodenseeufer sind die Meisen aber momentan mindestens so häufig wie in Süddeutschland.

Karte_CHPhänologisches Auftreten der Invasions-Kohlmeisen in der Schweiz und den Grenzgebieten vom 11.10.2012 – 20.02.2013. Quelle: http://www.ornitho.ch / Occurrence of the Strange Great Tits in Swiss from September 2012 to February 2013.

Während in vielen Bereichen von Mittel- & Norddeutschland die Invasionsmeisen weniger werden, sind sie am Bodensee immer noch oft anzutreffen. Allerdings verhalten sie sich nicht mehr so auffällig wie im Herbst. Während der Ruf im Herbst ständig und überall geäußert wurde, muss man jetzt allein durch die geringere Rufaktivität im Winter etwas länger zuhören. Zusätzlich habe ich aber auch das Gefühl, dass der Ruf seltener vorgetragen wird.

Sehr auffällig war im Dezember/Januar die Aufteilung der Kohlmeisen in zwei Gruppen:

  • einzelne Vögel oder Paare, die Reviere besetzt halten und auch singen →von diesen Vögeln habe ich noch kein einziges Mal den Invasionsruf gehört. Das sind wohl unsere lokalen Kohlmeisen
  • größere Trupps von bis zu 25 Vögel, oftmals auch mit anderen Arten vergesellschaftet. Während im Herbst die Rufe aus diesen Trupps immer sofort zu hören waren, muss man sich nun etwas mehr Zeit nehmen  → bei Kohlmeisen in Trupps waren fast immer Invasionskohlmeisen dabei (zumindest in Süddeutschland). Der genaue Anteil ist schwierig abzuschätzen. Bei den Trupps, bei denen ich etwas länger zugehört habe, stellte sich der Anteil immer zu mindestens 80-90% heraus.

Dank dem Beitrag von Jochen Dierschke auf birdingfrontiers (http://birdingfrontiers.com/2012/11/14/strange-great-tit-calls-invasion-from-the-east/) haben sich auch viele ausländische Beobachter mit dem Thema befasst und darüber berichtet. Meldungen von solchen Kohlmeisen sind uns von Belgien, England, Estland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen und der Schweiz bekannt.
Interessanterweise sagen selbst Beobachter in nordöstlichen Ländern wie Finnland und Estland, dass sie diese Rufe aus anderen Jahren nicht kennen! (Quelle: http://www.birdingfrontiers.com)

Auf xeno-canto wurden mehrere Aufnahmen von aktuellen Invasionsvögeln hochgeladen. Darunter auch eine Aufnahme von Jarek Matusiak von Dabrówka, Polen. Diese Aufnahme erinnert in ihrer Form im Sonagramm noch mehr an die russische Aufnahme von Albert Lastukhin bei Cheboksary, östlich Moskau (siehe letzter Post). Allerdings ist auch sie 1 kHz zu niedrig.
PolenVariation des Rufes einer Invasionskohlmeise. Der ansteigende Teil des Rufes entspricht genau dem normalen Ruf, der zweite Teil fällt bis auf 2 kHz ab (normalerweise nur bis etwa 2 kHz). Hier kann man sich die Aufnahme anhören. 18.11.2012, Dąbrówka (near Kuligów), Wołomin County, Mazowieckie, Poland © Jarek Matusiak / Variation of an Invasion-Great Tit from Poland. More similar to the bird from Russia from Albert Lastukhin, but still 1 kHz too low pitched.

Vom März 2009 ist eine Aufnahme aus den Niederlanden aufgetaucht, die den Invasionsrufen etwas ähnlich ist. Allerdings stimmt der Ruf nicht mit den aktuellen Rufen überein. Variation einer Invasionsmeise (eventuell ähnlich den Fichtenkreuzschnäbeln, deren Rufe sich von Jahr zu Jahr leicht ändern)? Oder Zufall?

March_NetherlandsRuf einer Kohlmeise aus Holland. Der Peak ist abgerundet (bei Invasionsmeisen spitzig) und der zweite Teil des Rufes fällt nicht so weit ab (meist etwas weiter als die Startfrequenz). Hier kann man sich die Aufnahme anhören. 17.03.2009, Dwingelderveld, Drenthe, Netherlands © Sander Bot /Recording of a Great Tit from spring 2009 with a similar call. But the call is not the same!

Bleibt als Frage, wie sich der Gesang der Invasionskohlmeisen anhört. Es gibt leider noch keine Aufnahme von einem einzeln singenden Vogel der in der selben Aufnahme auch Invasionsrufe bringt.

Der Punkt, der das Thema sehr schwierig macht ist die Variiabilität der Kohlmeise. Es singt nahezu keine Kohlmeise gleich wie die andere. Der Gesang müsste wirklich völlig ander sein, um die Invasionsmeisen daran bestimmen zu können.

Von den sicheren Invasions-Kohlmeisen hört man bis jetzt nur eine Aneinanderreihung von verschiedenen Rufen. Ein Beispiel dafür ist die Invasionsmeise, die ich am 6. Januar in Lindau am Bodensee aufgenommen habe (hier – im Hintergrund Lachmöwe) oder die Aufnahme auf http://www.xeno-canto.com von Herman van der Meer vom 5. Dezember 2012 in Den Haag, Niederlande (hier).

Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Meisen wieder zurück in ihre Heimat fliegen. Die Rufe sollten deshalb in Mittel- und Norddeutschland wieder häufiger werden: also Augen auf!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s