Orpheusspötter und Gelbspötter

Die Bestimmung der beiden Arten bereitet immer wieder Schwierigkeiten. Während sie sich am Brutplatz oft allein durch das Biotop (Orpheusspötter niedrige Büsche – Gelbspötter hohe Büsche/Bäume) unterscheiden, ist dies während dem Zug deutlich schwieriger. Deshalb hier ein paar Hinweise zu den gängigen Kennzeichen und Tipps, worauf es sich am meisten lohnt zu achten. Die Fotos sind alle Mitte Mai in Deutschland entstanden.

Orpheusspötter_Adult

Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) halten sich eher in Bereichen von 1-4 m Höhe auf wie auf dem Bild in Brombeeren. Alle Orpheusspötterfotos: Rheinland-Pfalz, Deutschland, Mai 2013. / Melodious Warblers are singing in low bushes from 1 to 4 meters. All photos of Melodious Warbler are taken in Rheinland-Pfalz, Germany in May 2013.

 

Gelbspötter

Gelbspötter (Hippolais icterina) sind lieber in Bäumen und damit auch schwieriger zu fotografieren. Alle Gelbspötterfotos: Baden-Württemberg, Deutschland, Mai 2012.  / Icterine Warbler sings in trees and is more difficult to photograph. All photos of Icterine Warbler are taken in Baden-Württember, Germany in May 2012.

Stimme

Bestes Kennzeichen ist sicherlich die Stimme. Der Gesang ist normalerweise deutlich unterschieden – dazu schreibe ich hier nichts. Die Rufe aber sind bei beiden Arten vielseitig. Beide Arten rufen einzeln „tack“. Gelbspötter geben oft eine Kombination aus 1-2 tack-Lauten und einem „Lüi“ von sich. Orpheusspötter ruft oft ein rauhes „druit….druit….druit-de-de“. Der Alarmruf des Orpheusspötters ist typischerweise ein schnelles Rattern. Weniger bekannt ist, dass auch Gelbspötter dieses Rattern in ihrem Repertoire haben. Ich selbst kenne es nur als Warnrufe am Brutplatz.

Orpheusspötter_Rufe

Orpheusspötter, Alarmrufe, 01.07.2012, Albarca, Catalunya, Spanien © Jordi Calvet. Schnelles Rattern mit schnellerer Wiederholung der einzelnen Elemente und meist mehr Elemente. / Typical fast alarm call of the Melodious Warbler is a fast rattling with faster und more repeatings of the elements.

Gelbspötter_Rufe

Gelbspötter, Rufe, 05.06.2011, Eriskircher Ried, Lkr. FN, BW, Deutschland © Matthias Hemprich. Kombination aus tack- und lü -Lauten./ Typical calls of Icterine Warbler are combinations of „tack“-sounds and a melodic „lü“

Gelbspötter_Warnrufe

Gelbspötter, Alarmruf, 24.07.2011, Siemanowká lake, NE-Polen © Thijs Fijen. Rattern ist von dieser Art seltener beschrieben. Meist ist das Rattern des Gelbspötters jedoch etwas langsamer und es hört sich etwas schmatzender an. / Not as well-known is, that also Icterine Warbler has a rattling as alarm call. The rattling listens more smacking and is slower than Melodious warbler.

Handschwingenprojektion

In der gängigen Literatur wird sie als eines der besten Kennzeichen gehandelt: Orpheusspötter etwa 60% der Schirmfederlänge, Gelbspötter 80-100%. Tatsächlich ist es sehr hilfreich – aber Grenzfälle können im Feld schwierig einzuschätzen sein.

Schwanzprojektion

Eigentlich DAS Kennzeichen für die beiden Arten hat noch kaum Eingang in die Literatur gefunden. Tatsächlich habe ich es nach einer Recherche nur im Advanced Bird ID Guide gefunden:

Orpheusspötter sehen bedeutend langschwänziger aus – Grund dafür sind die kurzen Handschwingen. Während bei Gelbspöttern die Distanz zwischen Flügelspitze bis zur Schwanzspitze etwa so lang ist, wie die Distanz Schirfmfeder- zu Handschwingenspitzen, ist diese Distanz bei Orpheusspöttern doppelt so lang! Auch im Feld ist das Kennzeichen aufgrund des großen Unterschiedes gut zu erkennen.

Gelbspötter

Die Handschwingenprojektion des Gelbspötters ist sehr groß (etwa 100%), die Schwanzprojektion sehr klein. / Primary projection of Icterine Warblers is big, but the tail projection is very small.

RM_130518_MG_1865_b

Die Handschwingenprojektion des Orpheusspötters ist klein (etwa 60%), die Schwanzprojektion dagegen sehr groß. Beachte bei diesem Ind. jedoch, dass die mittleren Steuerfedern wohl nach einer Schreckmauser neu gewachsen sind und nicht mehr die volle Federlänge haben  / Primary projection of Melodious Warblers is small, but the tail projection is very big. The photographed bird has lost the inner tailfeathers. The new feathers are shorter than the original ones. 

Beine

Gelbspötter haben bleigraue Beine, Orpheusspötter eher braungraue. Je nach Lichteinfall kann aber auch dieses Kennzeichen täuschen und Variation gibt es auch.

Große Armdecken

Die Großen Armdecken des Gelbspötters haben schmale weißliche Säume. Orpheusspötter zeigen diese Färbung nicht. Allerdings ist es bei Gelbspöttern nur unter bestimmten Lichteinfällen zu erkennen. Beachte dazu die Fotos von Gelbspöttern in diesem Artikel. Alle zeigen das gleiche Individuum und nur auf einem Foto sind diese Säume zu erkennen.

Gelbspötter

Gelbspötter: Hier sind die weißlichen Säume der Großen Armdecken gut zu erkennen. Orpheusspötter zeigen diese nicht so deutlich. / Icterine warbler has in specific light narrow whitish fringes to the greater coverts. Melodious Warblers don’t show them, but they are hard to see.

Orpheusspötter_Melodious Warbler_Hippolais polyglotta

Orpheusspötter. Die Säume der Großen Armdecken sind nicht so hell und deutlich abgegrenzt. / Melodious warbler without the whitish fringes to the greater coverts.

Mauser

Laut Literaturangaben mausern Orpheusspötter von Mitte September bis Mitte November während Gelbspötter von Dezember bis März mausern. Orpheusspötter sollten im Frühjahr also schon stärker abgenutzte Federn haben. Tatsächlich kann dies aber an einem Einzelvogel schwierig zu bestimmen sein (siehe Fotos)! Tatsächlich sind die beiden Vögel von dem Foto überraschend ähnlich abgenutzt. Mauser hilft also nicht unbedingt weiter.

Kopfform

Orpheusspötter haben einen runderen Kopf. Dieses Kennzeichen ist nur nach längerer Beobachtung oder viel Erfahrung hilfreich.

Kopfform_Gelbspötter-Orpheusspötter

Fotos von Köpfen von zwei Gelbspöttern links und zwei Orpheusspöttern rechts. Das linke Foto zeigt jeweils die typische Federhaltung, rechts in aufgeregtem Zustand bei Gelbspötter und in geduckter Haltung beim Orpheusspötter. / Structure of the head is very variable. Left two photos show an Icterine Warbler – on the left side typical, right side when it is excited, the right two photos show Melodious warbler – left side typical, right side when it is alerted.

Flügelfeld

Das Flügelfeld ist bei Orpheusspöttern oftmals genau so deutlich wie bei Gelbspöttern. Vergleiche dazu die Fotos. Der Nutzen dieses Kennzeichens ist somit ebenso begrenzt.

Es gibt noch weitere Kennzeichen in der Handschwingenformel wie die längere H10 des Orpheusspötters – jedoch nichts, was wirklich relevant ist im Feld.

RM_130518_MG_2089

Zum Abschluss ein Foto eines Orpheusspötters im Schatten. Auf dem Foto sind alle wichtigen Kennzeichen zu sehen: Schwanzprojektion, Handschwingen-Projektion, braune Beine und die runde Kopfform. / Another photo of a Melodious Warbler. You can see all the important features as the tail projection, primary projection, brownish feet and the more rounded head profile.

Danke Jordi Calvet, Thijs Fijen & Matthias Hemprich für die Erlaubnis, die Tonaufnahmen zu verwenden / Thank you Jordi Calvet, Thijs Fijen & Matthias Hemprich for the permission to use the recordings.

Literatur:

– van Duivendijk, N. (2010) Advanced Bird ID Guide: The Western Palearctic. New Holland

– Svensson, L., Mullarney, K., Zetterström, D. & Grant, P.J. (2008) Collins Bird Guide. 2nd edition. Harpercollins UK

– Harrap, Lewington (1990) Hinweise zur Unterscheidung der Spötter Hippolais im Freiland. Limicola 4, 49-73

2 Antworten zu “Orpheusspötter und Gelbspötter

  1. Grandios! Solch ein detailiertes Wissen lesen zu dürfen ist fantastisch, begeisternd und „appetit- anregend – freue mich schon sehr, morgen wieder Vögel beobachten zu dürfen… (und schaue nun
    viel genauer hin…)
    Herzliche Grüße

    Uli Kofler

  2. Pingback: Fitis ?·

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