Rufe von östlichen Bergpiepern Anthus spinoletta coutellii

Im Großteil Europas kommt die Nominatform des Bergpiepers ssp. spinoletta vor. Vom Bosporus ostwärts bis in den Iran tritt ssp. coutelli auf, im äußersten Osten (China, Mongolei) brütet ssp. blakistoni. Äußerlich unterscheiden sich die Unterarten gering. Ssp. coutellii hat einen schwächeren Zügelstreif, einen helleren, stärker gestreiften Rücken sowie im Prachtkleid einen stärker ausgedehnt rosa gefärbten Bauch. Im Winter ist der Bauch gestreift auf gelblichem Grund (van Duivendijk 2011).

Bergpieper ssp. coutelli

Bergpieper ssp. coutellii, abgetragenes Schlichtkleid, 11.02.2013, Muntasar, Oman. Beachte die helle Oberseite, auffällige Rückenstreifung und die intensiv gelblichbraune Flankenfarbe. Strichelung weniger ausgedehnt und Striche kleiner.

Bergpieper_ssp. coutelli

Bergpieper ssp. coutellii, 28.01.2013, Sohar-Sun-Farms, Oman. Sehr früh mausernder Vogel, Körpergefieder schon größtenteils im Prachtkleid, Schirmfedern vermausert, Armdecken schwierig zu beurteilen. Beachte die schon weit ausgedehnte rosa-orangene Färbung auf der Unterseite.

Ssp. blakistoni ist noch heller oberseits und deutlicher gestreift. Der Zügelstreif fehlt vollständig und oft ist ein heller Augenring vorhanden. Die Unterseite ist im Prachtkleid kaum oder gar nicht gestrichelt, der rosa-orangene Hauch auf der Unterseite ist wenig ausgedehnt. Insgesamt sieht er einem Pazifikpieper deutlich ähnlicher als die anderen Unterarten des Bergpiepers und muss bei Nachweisen des Pazifikpiepers als Verwechslungsart berücksichtigt werden.

Die Rufe von ssp. blakistoni beschreibt Alström 2003 als „ … usually sounds more like spinoletta than coutellii…“ („…normalerweise ähnlicher spinoletta als coutellii“).

In diesem Eintrag wollen wir die Rufe von ssp. coutelli vorstellen. Bisher bekamen sie erst wenig Aufmerksamkeit in der Literatur, obwohl sie sich von ssp. spinoletta etwas unterscheiden.

Material

Von ssp. coutellii werteten wir 117 Rufe aus 20 Aufnahmen aus, die auf Zypern im März/April 2013 und im Oman November 2012 und Februar 2013 aufgenommen wurden. Von ssp. spinoletta standen uns weit über 100 Rufe aus 24 Aufnahmen zur Verfügung – größtenteils von http://www.xeno-canto.org.

Beschreibung des Flugrufes:

ACHTUNG: Die Tonhöhe und auch die Rufe von Bergpiepern sind recht variabel! Bei den hier behandelten Rufen handelt es sich wirklich nur um die Rufe die IM FLUG geäußert werden!

Im Sonagramm bleibt coutellii insgesamt auf einer Tonhöhe oder fällt ab (im Feld hört es sich oft so an, als ob der Ruf schwächer als bei ssp. spinoletta ansteigt) und ist zumindest in den ersten beiden Zacken nur einfach moduliert (keine Überlagerung durch eine zweite Modulation – also nicht doppelt gesägt um es botanisch auszudrücken). Dank dieser Eigenschaften kommt im Sonagramm eine typische Form zustande: ein auffälliges, oft deutlich abgesetztes und breites „M“.

coutelliBeschreibung des Flugrufes von ssp. coutellii

BergpieperBeschreibung des Flugrufes von ssp. spinoletta

Als Beispiel sind hier ein paar weitere Flugrufe von coutellii und spinoletta:

coutelliFlugrufe von verschiedenen Bergpiepern ssp. coutellii. 1. Aufnahme: 25.03.2013, Cape Greco, Zypern © J. Honold 2. Aufnahme: 28.01.2013, Sohar-Sun-Farms, Oman. © R. Martin 3. Aufnahme: 27.01.2013, Sohar-Sun-Farms, Oman © R. Martin, gleiches Ind. wie 2. Aufnahme; 4. Aufnahme: 08.04.2013, Cape Greco, Zypern © J. Honold 5. Aufnahme: 25.03.2013, Cape Greco, Zypern © J. Honold.

spinoletta

Verschiedene Flugrufe von Bergpieper ssp. spinoletta: 1. Aufnahme: 19.12.2008, Hulkesteinse Bos, Zeewolde, Netherlands © Ruud van Beusekom; 2. Aufnahme: 3.4.2011, Polen, © Jarek Matusiak; 3. Aufnahme: 30.09.2011, Poland, © Jarek Matusiak; 4. Aufnahme: 06.03.2013, Mohrhof-Weihergebiet, BY, D © Matthias Bull; 5. Aufnahme: 06.03.2013, Mohrhof-Weihergebiet, BY, D © Matthias Bull

Variation

Besonders ssp. spinoletta scheint sehr variabel zu sein! Einzelne Rufe in den Rufreihen der uns zur Verfügung stehenden Aufnahmen sind denen von ssp. coutellii ähnlich.

Variation_spinolettaVariation der Flugrufe von ssp. spinoletta: 1. Aufnahme: 03.04.2011, Tarnawa Niżna, Polen © Jarek Matusiak; zweite M-Spitze deutlich höher als die erste; 2. Aufnahme: 06.03.2013, Mohrhof-Weihergebiet, BY, Deutschland © Matthias Bull; Gesamter Ruf ansteigend, M krakelig, zweite Spitze deutlich höher als die erste; 3. Aufnahme: 03.04.2011, Tarnawa Niżna, Polen © Jarek Matusiak; M sehr ähnlich coutellii, allerdings sehr schnell moduliert (M dadurch schmaler) und sehr langer Ruf mit weiteren Modulationen. Haben wir so bei coutellii noch nicht gesehen. 4. Aufnahme: Februar 2008, Beddington Farm, United Kingdom © Stuart Fisher; M wie bei typischem coutellii, der Rest vom Ruf allerdings deutlich höher. Haben wir so noch nicht bei coutellii gesehen (Achtung! In der Aufnahme ruft auch ein Wiesenpieper); 5. Aufnahme: 19.12.2008, Hulkesteinse Bos, Zeewolde, Netherlands © Ruud van Beusekom; M würde auch gut für coutellii passer, allerdings steigt der Ruf danach deutlich an.

Manchmal ist jedoch auch bei coutellii das „M“ weniger auffällig oder nicht einmal erkennbar. Dies scheint vor allem bei den Rufen von sitzenden Vögeln der Fall zu sein. Selten werden diese Rufe auch im Flug geäußert.

coutelli_sitzende_Muntasar_30777Bergpieper ssp. coutellii, 11.02.2013, Muntasar, Oman. Rufe im Sitzen (die Pausen zwischen den Rufen sind aus diesem Sonagramm herausgeschnitten). Nur bei dem ersten und letzten Ruf ist das „M“ annähernd erkennbar. Typisch ist aber weiterhin die über den Ruf konstante oder sogar abfallende Tonhöhe.

Zusammenfassung

Die Flugrufe beider Unterarten sind variabel, bei der Unterart coutellii bauen die Flugrufe aber nahezu immer auf dieselbe Grundstruktur auf („M“). Vögel der Nominatform können ausnahmsweise sehr ähnlich rufen. Bei den uns zur Verfügung stehenden Aufnahmen von spinoletta sind aber nur einzelne Rufe aus einer Rufreihe ähnlich coutellii oder die Rufe enden anders. Es ist wohl kaum möglich, einen in Westeuropa auftretenden Bergpieper am Flugruf als ssp. coutellii zu bestimmen. Allerdings wäre es durchaus ein unterstützendes Merkmal. Zur Bestätigung wären weitere Aufnahmen von ssp. coutellii und östlichen ssp. spinoletta wünschenswert. Da es eine Mischpopulation in der Türkei (Shirihai 1996) gibt, gehen wohl auch die Rufe langsam ineinander über. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass einzelne Aufnahmen der Vögeln von Zypern aus dieser Mischpopulation stammen.

Dank geht an alle, die uns Ihre Tonaufnahmen für diesen Artikel zur Verfügung gestellt haben!

Literatur

Alström, Mild & Zetterström (2003): Pipits and Wagtails of Europe, Asia & North America. Christopher Helm Verlag

van Duivendijk, N. (2010) Advanced Bird ID Guide: The Western Palearctic. New Holland

Shirihai (1996): The Birds of Israel. Academic Press Limited, London

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s