Selbstbau eines Parabolspiegels

Seit der Veröffentlichung unseres Blogposts über Tonaufnahmegeräte haben wir viele Anfragen bekommen, wie man die Aufnahmequalität weiter verbessern könnte. Möglichkeiten dazu sind Richtmikrofone oder ein Parabolspiegel. Richtmikrofone sind handlich und schon ab einem Preis von etwa 350 € (Sennheiser ME66 + K6) erhältlich. Sie verstärken das Signal nicht, sondern filtern seitliche Geräusche durch Interferenzeffekte heraus. Parabolspiegel dagegen schirmen seitliche Geräusche teilweise ab, verstärken aber hauptsächlich den Vogel im Fokus. Sie sind unhandlicher und teurer: Bis vor kurzem kosteten die Systeme mehr als 1000 Euro.

Anbieter dafür sind aktuell bspw. Telinga, Dodotronics und Wildtronics.

Wir wollten etwas Eigenes probieren:  In den letzten 2 Jahren haben wir viel Zeit in die Entwicklung eines Aufnahmesystems mit Parabolspiegel gesteckt und mit vielen Personen über die unterschiedlichen Systeme diskutiert. Wir haben verschiedene Versionen ausprobiert und unseren Ansprüchen entsprechend optimiert. Inzwischen wird eines unserer Systeme von Dodotronics verkauft.

Unsere Erfahrungen wollen wir hier weitergeben um jedem den Bau eines eigenen Parabolspiegels zu erleichtern. Das System wurde schon von mehreren Freunden erfolgreich in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand nachgebaut und ihren Anforderungen und Möglichkeiten entsprechend angepasst.

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Bild 1: Der fertige Parabolspiegel mit einem Olympus LS-3 im Einsatz

Kosten und Aufwand

Ein eigener Parabolspiegel inklusive Mikrofon ist für ca. 100 Euro möglich. Besondere Fähigkeiten für den Bau sind nicht nötig. Als Werkzeug benötigt man einen Lötkolben, eine Bohrmaschine, eine Laubsäge und Kleber. Der Zeitaufwand hält sich in Grenzen. Der schwierigste Teil ist der Bau des Spiegels selbst. Dafür ist noch einiges weitere an Gerätschaften nötig wie eine Drehbank und ein großer Backofen. Die notwendigen Teile können auch in einer Werkstatt gefertigt werden oder man kann ihn zukaufen.

Das Mikrofon

Kern des Aufnahmesystems ist das Mikrofon. Theoretisch ließe sich jedes im Laden erhältliche Aufnahmegerät in dem Parabolspiegel als Mikrofon verwenden. Die Qualität ist damit jedoch geringer und die Handhabung deutlich schwieriger.

Wir haben dafür vier Primo EM-172 Mikrofonkapseln verwendet. Die Kapseln sind für weniger als 10 Euro/Stück erhältlich. Die Mikrofonkapseln sind bei Frogloggers (USA) (ACHTUNG: Wir bekamen eine Rückmeldung, dass bei einer Bestellung im September keine Ware geliefert wurde, keine Rückmeldung kam und auch das Geld nicht mehr ausgezahlt wurde), Micbooster (UK) sowie in größeren Mengen bei Primo (DE) erhältlich. Frogloggers bietet die Kapseln zusätzlich mit einem Feuchtigkeitsschutz an. Bei Micbooster sind passende Kabel mit Klinkenstecker in guter Qualität erhältlich. Als Windschutz verwenden wir aktuell Schaumstoff aus dem Aquaristikbedarf mit 30 PPI (z.B. ebay, Suchbegriff Filtermatte oder Filterschaum). Ein dünner Fleece-Stoff, über den gesamten Parabolspiegel gezogen, ist als Windschutz ebenfalls praktisch.

Aufbau des Mikrofons – Theoretische Grundlagen

Das Ergebnis soll ein Parabolspiegel für Stereoaufnahmen sein. (Zum Verständnis: Bei Aufnahmen mit Parabolspiegel ist grundsätzlich kein Stereoeffekt für das anvisierte Objekt möglich, da der Schalldruck von diesem – durch das Anvisieren – immer bei beiden Kanälen gleich stark ist. Würde man den Vogel nicht anvisieren, würden große Sprünge in der Lautstärke entstehen, sobald der Vogel sich näher oder weiter vom Fokus des Spiegels bewegt. Stattdessen entsteht der Stereoeffekt in der Aufnahme durch den Unterschied der Hintergrundgeräusche zwischen dem rechten und linken Kanal (siehe Bild 2)).

Auftrennung des Signals_Stereo

Bild 2: Bei einem Parabolspiegel kann das anvisierte Objekt nicht in Stereo aufgenommen werden, da die Schallwellen von diesem immer direkt von vorne auf den Spiegel treffen (graue Strahlen). Der Stereoeffekt kommt durch Geräusche von der Seite (gelb für den linken und blau für den rechten Kanal) zustande.

Hier eine Beispielaufnahme die mit diesem ersten beschriebenen Aufnahmesystem entstanden ist:

Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), 3.06.2014, Altai, Kasachstan: Die Sperbergrasmücke ist immer direkt von vorne zu hören, im Hintergrund ist die gesamte Aufnahme über ein Sprosser links, sowie in größerer Distanz ein Sprosser rechts zu hören. Ein Wachtelkönig (ab 5 sec) singt ebenfalls rechts, ein Wiedehopf (ab 24 sec) vorne und auch ein Neuntöter ruft über die gesamte Aufnahme von vorn. Vorn singt ein Kuckuck (ab 24 sec). Bei etwa 1:00 fliegt links ein Hybrid Gold- x Fichtenammer rufend vorbei. Bei 1:03 startet die Sperbergrasmücke zu einem Singflug und man hört das Flügelklatschen.

Um diesen Stereoeffekt zu erreichen, muss der auf das Mikrofon treffende Schall zwischen dem rechten und linken Kanal getrennt werden. Dies wird mit einer Trennplatte erreicht, die den Parabolspiegel in zwei Hälften teilt. Durch einfache Überlegung wird klar, dass nur noch die Hälfte der Schallwellen zum Mikrofon kommt. Die Verstärkung wäre – ohne weitere Unterschiede im Aufbau – halbiert (siehe Bild 3).

Auftrennung des Signals

Bild 3: Die vom anvisierten Objekt gebündelten Schallwellen werden durch die Platte getrennt. Auf der Plattenfläche kommt jeweils nur noch die Hälfte des Signals an.

Hier kommt der physikalische Effekt eines Grenzflächenmikrofons [1] zugute: Treffen die Schallwellen auf eine schallreflektierende Oberfläche, addiert sich das ankommende und reflektierte Signal. Der Schalldruck wird verdoppelt und das Signal erhöht sich um 6 dB. Der Nachteil durch die Halbierung des Spiegels ist wieder ausgeglichen. Dieser Effekt tritt aber abhängig von der Größe dieser Platte erst ab einer bestimmten Grenzfrequenz auf [2] (siehe Bild 4).

Grenzfrequenz_Platte

Bild 4: Der Grenzflächeneffekt ist ebenfalls von der Plattengröße und der Frequenz abhängig. Sind die beiden Grenzfrequenzen (Spiegelgröße und Plattengröße) nicht aufeinander abgestimmt, so hat der Spiegel zwei Frequenzpunkte, ab denen die Verstärkung deutlich zunimmt.

Um diesen Effekt auszunutzen, hat der Hersteller Telinga bei seinem Stereo-Parabolspiegel die Mikrofonkapseln mit sehr geringem Abstand zwischen Kapseln und Platte zur Platte hin gerichtet verbaut (dieses System ist patentiert). Der Vorteil ist, dass die Nebengeräusche weniger stark aufgenommen werden und Wind nicht direkt in die Mikrofon-Kapseln bläst. Der Nachteil ist, dass das Mikrofon selbst auch nicht direkt vom Schall erreicht wird (siehe Bild 5 links) [1] und durch die geringeren Nebengeräusche ist der Stereoeffekt schwächer.

Kapselausrichtung

Bild 5: Unterschiedliche Ausrichtung der Mikrofon-Kapseln (Mikrofon-Eingang in rot): Links zur Trennplatte gerichtet (PZM System), rechts in der Trennplatte versenkt und nach außen gerichet. In blau die Richtung der ankommenden „Schallwellen“.

Wir haben deshalb bei unserem ersten System, das wir vorstellen, die Mikrofon-Kapseln nach außen gerichtet und in der Platte versenkt (Bild 5 rechts und Bild 6 links). Die Mikrofonmembran sollte dabei eben mit der Platte abschließen. Das Ergebnis ist ein Stereo-Mikrofon, bei dem die Verstärkung in etwa dem System eines Mono-Parabolspiegels entspricht. Zusätzlich gibt es durch die direkt nach außen gerichteten Mikrofone einen sehr schönen Stereoeffekt. Das Mikrofon ist jedoch windanfälliger (durch Drehen des gesamten Spiegels um die eigene Achse – Trennplatte parallel zur Windrichtung gedreht – können die Mikrofone etwas aus dem Wind genommen werden). Zur Verringerung der Windanfälligkeit siehe Kapitel „Das Mikrofon“

Dieses System wurde inzwischen von Dodotronics übernommen und ist hier käuflich.

Wer fokussierte Aufnahmen eines bestimmten Individuums machen will, die immer noch einen guten Stereoeindruck der Umgebung geben, für den ist dieses System genau richtig. Das Hauptobjekt wird nicht extrem verstärkt und die Klangkulisse ist gut und deutlich in Stereo zu hören (Beachte: diese Fokussierung auf ein Individuum entspricht nicht dem menschlichen Höreindruck. Wer dies erreichen will, sollte sich mit den SASS-Systemen auseinandersetzen. Für Detailaufnahmen eines einzelnen Vogels muss man auf sehr wenige Meter an die Vögel heran. Die Konzeption ist grundlegend anders als beim Parabolspiegel. Weitere Informationen zu SASS sind hier und hier.)

Später kam uns eine andere Idee: Durch eine weitere Platte in dem System (Bild 6 rechts) können die Mikrofone aus dem Wind genommen werden. Durch diese zusätzliche Platte gibt es eine weitere Anhebung des Signals um 6 dB [3]. Nachteil ist, dass der Stereoeffekt wegen der noch stärkeren Fokussierung recht schwach ist. Dieses Mikrofon ist besonders geeignet, wenn ein Vogel mit wenig Nebengeräuschen aufgenommen werden soll – bspw. für eine spätere Auswertung der Aufnahme, gleichzeitig aber ein Stereoeffekt noch erkennbar sein soll.

Beide_Mikrofone

Bild 6: Die beiden unterschiedlichen Stereo-Mikrofonsystem: links eine einfache Platte als Trennung mit nach außen gerichteten Mikrofon-Kapseln, rechts ein System aus zwei Platten mit zum Parabolspiegel (nach unten) gerichteten Mikrofonkapseln. Bzgl. der Größe der Platten, siehe Bild 4). Hier wurde die Trennplatte eckig ausgeführt, sie kann jedoch auch rund sein.

Aufbau des Mikrofons – Bau

Für den Aufbau des Mikrofons haben wir 3 mm dicke Plexiglasplatten verwendet, da diese günstig zu kaufen sind (bspw. bei ebay, Suchbegriff „Plexiglasplatte“), eine sehr gute Oberfläche haben und leicht zu bearbeiten sind. Mit einem handelsüblichen Sekundenkleber, einer Laubsäge und einer Bohrmaschine lässt sich alles notwendige schnell aufbauen.

Für den zu erzielenden Stereoeffekt benötigen wir mindestens zwei Mikrofonkapseln (rechter und linker Kanal). Zusätzlich kann durch Parallelschalten mehrerer Mikrofonkapseln je Kanal das Eigenrauschen des Mikrofons verringert werden. Da die meisten Aufnahmegeräte nur eine beschränkte Stromversorgung eines externen Mikrofons gewährleisten und wir keine externe Stromversorgung bauen wollten, verwenden wir je zwei Kapseln pro Kanal parallel (vgl. Bild 7) – somit vier insgesamt (zumindest die Olympus LS-3,LS-5,LS-10,LS-11 und das Sony M10 können dieses Mikrofon mit Strom versorgen). Die beiden Kapseln je Kanal müssen so nah wie möglich beieinander liegen um Störungen (durch Phasenverschiebungen) bei der Aufnahme durch das Parallelschalten zu vermeiden.

Verkabelung_D

Bild 7: Verkabelung der einzelnen Mikrofonkapseln mit dem Klinkenstecker

Der Parabolspiegel – Theoretische Grundlagen

Der Parabolspiegel selbst sorgt für die Verstärkung des Signals. Die Form ist eine Parabel. Sie ergibt sich durch die Eigenschaft, dass die Schallwellen an einem bestimmten Brennpunkt gebündelt werden sollen (mit der Charakteristika Einfallswinkel = Ausfallswinkel). Zusätzlich soll die vom Schall zurückgelegte Distanz von der Quelle zum Brennpunkt überall identisch sein, um Phasenverschiebungen zu vermeiden. Die benötigte Form des Parabolspiegels ist damit durch Vorgabe der Brennweite festgelegt (der Durchmesser beeinflusst die Form nicht). Durch eine größere Brennweite rückt das Mikrofon weiter aus dem Spiegel heraus – es ist windexponierter und das fertige Aufnahmegerät wird unhandlicher. Dafür ist die Verzerrung des aufgenommenen Signals geringer [5]. In der angehängten Exceldatei kann die Brennweite selbst eingegeben werden um die Form des Spiegels zu berechnen (damit die richtige Form angezeigt wird, müssen die Achsen jeweils gleich skaliert werden, d. h. 1 cm auf beiden Achsen muss auch tatsächlich einem Zentimeter auf dem Bildschirm entsprechen).

Parabolspiegel haben sehr spezielle Aufnahme-Eigenschaften: die Aufnahmekurve für unterschiedliche Frequenzen ist nicht linear (wie übrigens für kein Mikrofon und keinen Lautsprecher zu 100 %). Sie verstärken erst ab einem bestimmten Frequenzbereich – je größer der Durchmesser, desto niedriger die Grenzfrequenz, ab der verstärkt wird (siehe Bild 8). Der Zusammenhang lässt sich mit folgender Formel berechnen (siehe auch hier):

Formel

Formel 1: Formel zur Berechnung der Verstärkung G eines Parabolspiegels mit dem Durchmesser d, bei der Frequenz f mit der Schallgeschwindigkeit c und der Effizienz eA [4]

Grenzfrequenz_Parabol

Bild 8: Grenzfrequenz bezogen auf den Durchmesser des Parabolspiegels, ab der ein Signal verstärkt wird. Um die Grenzfrequenz f_G zu erhalten, wurde G=1 gesetzt, als Schallgeschwindigkeit c =343 m/s, als eA = 0.5 eingesetzt; 0.5 ist ein realistischer Wert für einen normal gebauten Parabolspiegel, vgl. [5]).

Ab der Grenzfrequenz f_G verstärkt der Parabolspiegel. Wie aus Formel 1 hervorgeht, ist die Verstärkung über der Frequenz aber im weiteren Verlauf nicht gleichmäßig (siehe Bild 9 und 10).

Verstärkung_Parabol

Bild 9: Theoretische Verstärkung von Parabolspiegeln mit c = 343 m/s und eA = 0.5. Die rote Linie entspricht einem Spiegel mit 60 cm Durchmesser, orange 50 cm, rosa 40 cm, blau 30 cm, schwarz 20 cm. Die gepunktete Linie entspricht einer einfachen Verstärkung.

Verstärkung_db

Bild 10: Bei einer Darstellung des gleichen Bildes in der logarithmischen dB-Skala sieht die Verzerrung auf den ersten Blick nicht mehr so schlimm aus. Wiederum rot = 60 cm, orange 50 cm, rosa 40 cm, blau = 30 cm, schwarz = 20 cm Durchmesser. Die gepunktete Linie entspricht einer einfachen Verstärkung.

Durch diese relativ höhere Verstärkung der hohen Frequenzen klingen die Aufnahmen, als wäre der Abstand zum Vogel geringer (hohe Frequenzen werden mit der Distanz in einer natürlichen Umgebung schneller geschluckt. Je weiter ein Vogel entfernt, desto lauter sind – relativ gesehen – die tieferen Frequenzen). Die Überbetonung der hohen Frequenzen gibt einem Parabolspiegel sein typisches Klangbild. Bei Aufnahmen aus sehr geringer Distanz kann dies als harsch empfunden werden.

Um diesen Effekt abzumildern, können wir das Mikrofon etwas aus dem Brennpunkt des Spiegels rücken [6]. Das hilft, da für die Aufnahme hoher Frequenzen die Tonquelle sehr genau getroffen werden muss. Bei niedrigen Frequenzen ist dies weniger relevant. Wird das Mikrofon nicht genau in den Brennpunkt gesetzt, „kann“ die Quelle gar nicht richtig anfokussiert werden – die Tonwiedergabekurve wird geglättet. Alternativ (oder zusätzlich) kann man einen Equalizer benutzen, wodurch auch das Rauschen in den oberen Frequenzbereichen vermindert wird.

Der Parabolspiegel – Bau

Die Herstellung des Parabolspiegels selbst dürfte einigen Kopfzerbrechen bereiten. Es gibt sicherlich käufliche Schüsseln, die die Form ungefähr erreichen. Auch lassen sich von Telinga und Dodotronics Parabolspiegel direkt erwerben, jedoch zu einem sehr hohen Preis.

Wir wollten diesen auch selbst bauen. Um ihn klein und handlich zu halten und aus Herstellungsründen, haben wir uns für einen Durchmesser von 37 cm entschieden. Um Gewicht zu sparen sollte er aus Plastik sein. Mit Plexiglas wird er durchsichtig. Dies ist bei der Anvisierung eines Vogels hilfreich.

Aus Holz haben wir eine Urform hergestellt. Auf der Drehbank kann diese auf mehr als einen Zehntel-Millimeter genau hergestellt werden. Auf einen Holzring mit einem Innendurchmesser der Urform + zweimal der Dicke des verwendeten Plastiks (bei uns 2 x 0.8 mm) wird nun eine solche Plastikplatte geschraubt. Hierfür gibt es im Baumarkt dünne Plastikscheiben auf der Rolle mit ca. 1 m Breite (verwendet werden diese normalerweise zur Abdeckung von kaputten Fensterscheiben und anderem). Verkauft wird nach Metern.

Urform

Bild 11: Urform des Parabolspiegels (unten) sowie Ring mit aufgeschraubter Plexiglasplatte (oben). Aufgehitzt wird der Holzring und damit das Plexiglas über die Urform gezogen.

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Bild 12: Die Holzurform für den Parabolspiegel. Poren und Risse wurden mit Spachtelmasse aufgefüllt. Der rote Strich markiert den Rand, bis zu dem der Spiegel über die Form gezogen wird.

Das Plastik wird nun tiefgezogen. Dafür legt man den Holzring mit der montierten Plastikscheibe auf die Urform und alles zusammen kommt in den Backofen  – hierfür muss zuvor die richtige Temperatur ausgetestet werden. Für das von uns verwendete Material sind es 90°C. Ist es zu heiß „verbrennt“ das Material und wird trüb – zu kalt lässt es sich nicht verformen (das Prozedere lässt sich auch mit einem Gasbrenner durchführen, allerdings ist es dabei beinahe unmöglich, das Material gleichmäßig zu erhitzen). Wenn alles heiß ist, wird der Holzring mit etwas Kraftaufwand über die Urform gezogen. Anschließend muss es wenige Sekunden abkühlen und fertig. Der Parabolspiegel wird ausgeschnitten und ist einsatzbereit (diese Herstellungsweise ist ein normales Tiefziehverfahren (Dodotronics stellt bspw. seine Parabolspiegel nun mit der gleichen Methode her).

Ist das Plexiglas entsprechend dünn, kann es zum Transport gerollt werden. Mit 0.8 mm Dicke ist dies bei dem von uns verwendeten Material möglich.

Die Befestigung

Mit einem Bohrmaschinengriff liegt das fertige Aufnahmegerät gut in der Hand (Lukas P. und Steve K. hatten die alternative Idee, einen Fahrrad-Lenkergriff zu verwenden). Eine Befestigung des Mikrofons am Griff ist auf verschiedene Arten denkbar: Eine der einfachsten ist die Befestigung mit einer Schraube. Das Kabel kann dabei um den Parabolspiegel herum oder durch ein Loch im Parabolspiegel geführt werden (vgl. Bild 13).

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Bild 13: Sehr einfache Halterung für den Parabolspiegel mit einer Schraube (A), zwei Schraubmuttern (B und E) und zwei Unterlegscheiben (C und D). Links zusammengebaut, rechts Explosionszeichnung

Nicht viel schwieriger, dafür aber deutlich stabiler ist es, eine Konstruktion aus Plastikrohren aus dem Baumarkt zu verwenden. Mittels Winkelrohren und Plastikunterlegscheiben bekommt der Parabolspiegel einen festen Halt. Das Kabel kann dabei durch die Rohre geführt werden.

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Bild 14: Halterung für den Parabolspiegel, aufgebaut aus Plastik-Rohren aus dem Baumarkt. Links zusammengebaut, rechts als Explosionszeichnung: (A) Fahrradgriff mit Gummierung; (B) Winkelrohr mit Gewinde; (C und D) Unterlegscheibe; (E) thermoverformtes Plastikrohr zur Aufnahme des Mikrofons. Bei dieser Lösung kann das Kabel für die Stromversorgung der Mikrofone durch die Rohre geführt werden.

Bei der Handhabung des Parabolspiegels tritt ein Problem auf: Geräusche übertragen sich vom Griff direkt auf das Mikrofon. Dies kann an zwei Stellen verhindert werden:

  • der Übergang vom Griff zur Spiegelhalterung. Damit soll die Übertragung des Schalls auf den Parabolspiegel minimiert werden. Dafür wird bspw. ein Gummipuffer zwischen Griff und Halterung eingefügt, der möglichst viele Geräusche „schluckt“.
  • Am Übergang zwischen Spiegelhalterung und Mikrofonhalterung. Zur Lösung dieses Problems kann das Mikrofon frei hängend an Gummiverbindungen gebaut werden (Beispiel Bild 15).

Durch diese beiden Maßnahmen ist es möglich, die Geräuschübertragung von der Hand auf das Mikrofon deutlich zu minimieren.

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Bild 15: Beispiel für ein freihängendes Mikrofon. Hierbei wird das Mikrofon an einem Draht (A) mittels Gummibändern (B) befestigt. An der Stelle (C) kann durch einen Gummipuffer ebenfalls die Schallübertragung abgemildert werden.

Sehr praktisch ist es, das Aufnahmegerät am Handgriff zu befestigen (vgl Bild 1). Damit ist eine Einhand-Bedienung möglich. Mit der anderen Hand kann bspw. durchs Fernglas beobachtet werden, was der aufgenommene Vogel gerade macht.

Der fertige Parabolspiegel von der Seite mit Blick auf das Mikrofon

Bild 16: Der fertige Parabolspiegel von der Seite mit Blick auf das Mikrofon. Hier ist das Mikrofon noch nicht freihängend ausgeführt. Als Windschutz wurde hier ein Stück Schaumstoff vor das Mikrofon geklemmt.

Wer sich von der Qualität der Aufnahmen überzeugen will, kann sich die folgenden Aufnahmen anhören. Sie entstanden alle mit der selbst gebauten Ausrüstung:

Alpenmeise (Poecile montanus montanus): 13.06.2014, 05:05 Uhr, Hoher Ifen, Österreich, singendes Männchen. Im Hintergrund: Kuckuck, Buchfink, Fichtenkreuzschnabel, Zaunkönig, Mönchsgrasmücke, Kohlmeise, Amsel, Tannenmeise, Singdrossel

Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola): 30.04.2014, ca. 20 Uhr, Biebrizwa, Polen; singendes Männchen. Im Hintergrund Kuckuck ein weiterer singender Seggenrohrsänger, Kuckuck, balzende Bekassine, Rohrammer, Rohrschwirl.

Rubinkehlchen (Luscinia calliope): 30.05.2014, 20:18 Uhr, Altai, Kasachstan; singendes Männchen mit Imitationen verschiedener Vogelarten. Im Hintergrund ein Gebirgsbach, Taigazilpzalp, Kuckuck, Wintergoldhähnchen, Grünlaubsänger, Schwarzkehldrossel, Tannenmeise.

Afrikanischer Buchfink (Fringilla coelebs africana): 03.03.2014, 06:45, Oukaimeden, Morocco, singendes Männchen. Im Hintergrund: Sommergoldhähnchen, Tannenmeise, Alpenkrähe, Alpendohle, Afrikanischer buchfink, Amsel. © J. Honold

Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos leucotos): 13.03.2015, 11:03, Rottachberg, Germany, Rufe eines Männchens. Im Hintergrund: Tannenmeise, Sumpfmeise, Blaumeise, Misteldrossel, Buchfink, Kolkrabe, Bergfink. © J. Honold

Weißrückenspecht (Dendrocopus leucotos lilfordi) und Buntspecht (Dendrocopus major major): 15.09.2014, 10:00 Uhr, Durmitor Nationalpark, Montenegro. Im Hintergrund Zaunkönig, Eichelhäher und Tannenmeise.

Saharaohrenlerche (Eremophila bilopha): 05.03.2014, 07:06 Uhr, Guelmim, Marokko, singendes Männchen. Im Hintergrund Kurzzehenlerche und Fahlbürzel-Steinschmätzer.

Viel Spaß beim Nachbauen und Aufnehmen!

Danke an Marco Pesente und Vicky Powys für die Diskussionen zu dem Thema.

 

Quellenangabe

[1] http://www.sengpielaudio.com/ZweiVerschiedeneGrenzflaechenmikrofone.pdf

[2] http://www.sengpielaudio.com/UntereGrenzfrequenzbeimGrenzflaechenmikrofon.pdf

[3] https://pantherfile.uwm.edu/type/www/audio-reports/BoundaryMicExperiments/BoundaryMicsStudy/BoundaryMicsStudy.htm

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Parabolic_antenna#Gain

[5] http://www.w1ghz.org/antbook/chap4.pdf

[6] http://www.wildlife-sound.org/equipment/stereo_parabol/index.html

 

Eine Antwort zu “Selbstbau eines Parabolspiegels

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